Unser nächster Urlaub stand an. Wohin? Rheinau. Warum? Die Welt hat doch so viel zu bieten und selbst in Deutschland findet man schönere Ecken…

Was hat Rheinau, was anderen Orte nicht haben? 

Wie der Titel es schon hergibt, wollten wir endlich einmal ein paar Tage in einem Tiny House verbringen. Nicht nur darüber lesen und schreiben, sondern ein Raumgefühl bekommen und selber erste Eindrücke sammeln. Glücklicherweise hat Dieter Puhane, als erster deutscher Anbieter von Tiny Houses, zwei Häuser zur Urlaubsvermietung angeboten. In Rheinau.  Darum sind wir dahin.

Wir konnten uns für das größere der beiden Häuser für drei Tage sichern. Bevor ich mehr zum Tiny House schreibe, gibt es ein paar visuelle Eindrücke:

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Äußerer Aufbau

Das größere der Tiny House hat eine Länge von 9 Metern und eine Breite von ca 2.5 Metern, damit es STVO-konform auf den Straßen bewegt werden kann. Dazu ist es auf einem Trailer als Grundfläche aufgebaut. Die Terrasse vor dem Haus gehört daher nicht mit zum beweglichen Teil des Aufbaus. Das Haus an sich ist ein kompakter Körper, der rundum mit Holz verkleidet ist. Neben dem Kupplungssystem gibt es einige (abschließbare) Lageralkoven im Frontbereich für die Brennmittel des Ofens. Der hintere abgesetzte Bereich des Hauses beinhaltet die Haustechnik, die für die Größe des Hauses entsprechen nicht riesig ist. Es gibt von Außen einen Zugang, der bungalow-artig anmutet, aber für die Größe des Hauses Sinn ergibt.

Innerer Aufbau

Das Haus besitzt im Inneren einen Zwei-Raum-Aufbau. Der Hauptteil des Hauses wird von einer Art Loft eingenommen, die Wohnzimmer, Küche und Schlafempore vereint. Die Raumhöhe wächst in Richtung der Schlafempore auf etwa 4 Meter an. Es entsteht daher kein beengendes Gefühl. Der Wohnbereich ist durch eine Stufe abgehoben, die wiederum als Stauraum genutzt werden kann. Der mittlere Bereich der Loft ist ein fließender Übergang zwischen dem Wohn- und Essbereich und endet in der Küchenzeile. In diesem Bereich  befindet sich eine Tisch/Arbeitsplatte, der Pelletofen und ein Kleiderschrank. Die Küchenzeile, bestehend aus Schränken, 4-Feld-Gasherd und Spüle mit Abtropfbereich, ist platzsparend unter der Treppe zur Schlafempore eingebaut. Es gibt sogar einen Kühlschrank mit kleinem Gefrierfach. Die Empore ist rundum mit Fenstern bestückt, was dem Innenraum viel Licht spendet. Ansonsten befindet sich auf der ca. 130 cm hohen Empore nichts weiter. Als einziger abgetrennter Bereich befindet sich das Badezimmer im hinteren Teil des Wagens. Das Badezimmer ist ausgestattet mit (Kompost-)Toilette, Waschbecken, Dusche und einem kleinen Badschrank.

Die Ausstattung die das Haus aufnehmen kann, ist durch die eingeschränkte Stellfläche beschränkt. Hier zählt es wirklich einen reduzieren Lebensstil zu pflegen.

Persönliches Erleben

Wir hatten uns den Urlaub im Tiny House gegönnt, da wir mit dem Gedanken spielen selber mal eines zu beziehen und wir unbedingt vorher das Raumgefühl erfahren wollten. In diesem Fall ist zu bemerken, dass das Haus in Rheinau eine Urlaubskonfiguration ist. Was uns gut gefallen hat, ist das offene Loftkonzept, was zugleich auch die Schwäche ist, wenn man mit mehreren Personen in einem solchen Haus leben möchte. Es ist hell und offen, allerdings ohne Rückzugsmöglichkeiten. Daher ist das Haus eher als Single- oder Temporärwohnung geeignet oder für Paare, die sich sehr gut verstehen. Ebenso entsteht beim Bewohnen mit Menschen unterschiedlicher Schlafenszeit die Notwendigkeit einer guten Absprache, da es keine audio-visuell getrennten Einheiten gibt. Besonders mit (Klein-)Kindern kann sich das schwierig gestalten. Optional kann ein Kombinationsbau aus zwei TinyHouses bewohnt werden.

Die täglichen Abläufe, die Badbesuche, Kochen, Hobbies oder Entspannung können fast uneingeschränkt verfolgt werden, da funktionell alles zur Verfügung steht. Man muss eventuell mehr Rücksicht nehmen und öfters ab- und umbauen, da es nur einen Tisch gibt, der für das Kochen ebenso verwendet werden muss, wie für Hobbies, Büroarbeiten und andere tischgebundenen Aktivitäten.

Wie die Energieeffizient der Hauses ist, können wir nicht beurteilen. Aufgrund der geringen Grundfläche und einer guten Dämmung sollte der Grundenergiebedarf nicht sonderlich hoch sein. Die Wärme wird über einen Pelletofen gewonnen, der großgenug schien, den Wohnraum zu beheizen. Die Kühlung der Räume im Sommer krankt an den gleichen Problemen, wie jede Dachwohnung. Durch den Sonneneinfall wird es warm. Die Schlafempore ist von den hohen Temperaturen besonders betroffen. Über eine Klimaanlage oder gutes Lüften muss versucht werden, die Temperatur niedrig zu halten. Immerhin muss man keine Treppen steigen, um in „seine“ Dachwohnung zu kommen. Hier kann es hilfreich sein, den Stellplatz des Hauses dermaßen zu wählen, dass durch natürliche Schattenspender, wie Bäume, das direkte Sonnenlicht abgefangen wird. Die Stromversorgung im Haus ist wie gewohnt in allen Häusern, das gleiche gilt für das Frischwasser. Der Abwasseranschluss ist für dieses Haus (noch) nicht vorhanden. Daher gibt es eine Komposttoilette, bei der feste und flüssige Bestandteile getrennt werden. Der Urin und die grauen Abwässer werden in einer Sickergrube entsorgt. Feste Bestandteile und Müll müssen in vorgesehenen Behältern entleert werden. In Zukunft wird das Haus an die örtliche Abwasseranlage angeschlossen werden. Dann ist das Bad von einem konventionellen Bad technisch nicht mehr zu unterscheiden.

Durch den eingeschränkten Platz gibt es für einige Situationen andere Wege und das macht das Leben in diesem Haus auch zu einer kleinen Entdeckungsreise. Und man kann sich durchaus auch Dinge abschauen, die man bei sich selber umsetzen kann.

Unschlagbar (zumindest im Sommer) ist die Nähe nach draußen. Es kommt einem vor, dass man in einem nach außen offenen Haus lebt und der Wechsel nach draußen einem leichtfällt. Besonders mit der Terrasse vor dem Haus kann man schnell die Mahlzeiten nach draußen verlegen und durch die Rasenflächen um das Haus, ist man eingeladen mehr Zeit im Freien zu Verbringen. Das ist auf dem Grundstück auch besonders schön, da sich neben den TinyHouses auch eine kleine Koppel mit Pferd und Pony befindet. Ebenso trifft man auf Hunde, Katzen, Enten, Kaninchen und Vögel. Für Kinder auf jeden Fall spannend.

Fazit und Erkenntnisse

Obwohl der Urlaub nicht sonderlich spektakulär klang, waren wir gespannt, welche Erkenntnisse er zutage fördern würde. Insgesamt als Urlaub erlebten wir das TinyHouse sehr angenehm, das zum einen das Gelände toll ist, aber auch die Nähe zum Draußen für uns wichtig ist. Überraschend war das Raumgefühl, das uns in keiner Weise beengte. Für einen Urlaub ist ein TinyHouse absolut empfehlenswert. Es verbindet die Leichtigkeit des Zeltens mit einer Heimlichkeit und Wetterunabhängigkeit eines Ferienhauses ohne beengend wie ein Wohnwagen zu sein.

Für einen dauerhaften Wohnsitz wird sich für uns als Familie in der besuchten Ausführung nicht eignen. Wir brauchen doch mindestens einen getrennten Raum, um den Junior schlafen legen zu können und ihn nicht ständig zu wecken. Des Weiteren ist für uns die Mobilität des Hauses nicht an erster Stelle. Daher müssen wir und nicht auf die Hausbreite von 2.5 Metern einlassen, wodurch man einiges an Gestaltungsspielraum gewinnt.

Abschließend wollen wir allen Lesern das Ausprobieren von anderen Wohnarten ans Herz legen, da es nicht nur spannend ist, sondern auch Perspektiven öffnet auf Abläufe und Dinge, die selbstverständlich scheinen.