Brettspiele sind eine wunderbare Möglichkeit zusammen zukommen und entgegen der Schnelllebigkeit etwas Ruhe einkehren zu lassen und sich konzentriert mit einer Sache zu beschäftigen. Die meisten Spiele haben ein erklärtes Spielziel. Das worauf der Spieler seinen Fokus legt, um das Spiel als erfolgreichster oder erster zum Ende zu bringen. Häufig ist das Spielziel klar definiert und hart umkämpft? Dabei kann es emotional werden, egal ob in Sieg oder Niederlage.

Für mich war das Gewinnen, der Triumph meiner Strategie über andere lange Zeit das Zeil des Spiels. Diese Betrachtungsweise änderte sich im Laufe der Jahre und mit wachsender Spielerfahrung. Länger bekannt ist in diesem Zusammenhang ein Zitat von Spieleautor Knizia: When playing a game, the goal is to win, but it is the goal that is important, not the winning. (Das Ziel eines Spiel ist das Gewinnen, aber das Ziel, das wichtig ist, ist nicht das Gewinnen). Der erste Teil beschreibt ziemlich genau, was ich anfangs für eine Vorstellung vom Spielen hatte (und viele Spieler leider immer noch besitzen). Der zweite Teil macht das Spiel erst zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis, es verleiht dem Spielen eine größere Tiefe als das eingangs beschriebene Spielziel. Anders ausgedrückt: Ein Spiel ist ein Spiel. Es geht nicht darum eine feste Zielgröße zu erreichen, sondern zu spielen. Wie ein Instrument. Wer ein Musikstück spielt und am Ende ankommt, der wird zwar am Ziel angekommen sein, aber eher die erlebte Musik denken, als an das Ende des Stücks. Einen ähnlich schönen Vergleich zieht der Charakter Bredon aus Patrick Rothfuss Roman The Wise Man’s Fear:

“I am trying to make you understand the game,” he said. “The entire game, not just the fiddling about with stones. The point is not to play as tight as you can. The point is to be bold. To be dangerous. Be elegant.”

He tapped the board with two fingers. “Any man that’s half awake can spot a trap that’s laid for him. But to stride in boldly with a plan to turn it on its ear, that is a marvelous thing. To set a trap and know someone will come in wary, ready with a trick of their own, then beat them. That is twice marvelous.”

Bredon’s expression softened, and his voice became almost like an entreaty. “Tak reflects the subtle turning of the world. It is a mirror we hold to life. No one wins a dance, boy. The point of dancing is the motion that a body makes. A well-played game of tak reveals the moving of a mind. There is a beauty to these things for those with eyes to see it.”

He gestured at the brief and brutal lay of stones between us. “Look at that. Why would I ever want to win a game such as this?”

I looked down at the board. “The point isn’t to win?” I asked.

“The point,” Bredon said grandly, “is to play a beautiful game.” He lifted his hands and shrugged, his face breaking into a beatific smile. “Why would I want to win anything other than a beautiful game?”

Übersetzung (mit Hilfe von Google Translate): 

"Ich versuche dir beizubringen, das Spiel zu verstehen", sagte er. "Das ganze Spiel, nicht nur das Herumspielen mit Steinen. Der Punkt ist nicht so knapp wie möglich zu spielen. Der Punkt ist wagemutig zu sein. Gefährlich zu sein. Sei elegant. "

Er tippte mit zwei Fingern auf das Brett. "Jeder Mann, der halb wach ist, kann eine Falle erkennen, die für ihn bestimmt ist. Aber kühn mit einem Plan, um frischen Wind zu bringen, ist das eine wunderbare Sache. Eine Falle zu stellen und zu wissen, dass jemand aufmerksam ist, bereit einen eigenen Trick auszuführen, und dann trotzdem sie zu besiegen. Das ist doppelt wunderbar. "

Bredons Gesichtsausdruck wurde weicher, und seine Stimme wurde fast wie ein Flehen. "Tak (Spiel im Buch - Anm. d. A.) reflektiert die subtile Wende der Welt. Es ist ein Spiegel, dem wir dem Leben vorhalten. Niemand gewinnt einen Tanz, Junge. Der Punkt des Tanzens ist die Bewegung, die ein Körper macht. Ein gut gespieltes Spiel von Tak zeigt die Bewegung eines Geistes. Diese Dinge haben eine Schönheit für diejenigen, die es zu sehen vermögen. "

Er deutete auf die kurze und schwierige (Spiel-)Steinposition zwischen uns. "Sieh dir das an. Warum sollte ich jemals ein Spiel, wie dieses gewinnen wollen? "

Ich schaute auf das Brett. "Der Punkt ist nicht zu gewinnen?" fragte ich.

»Der Punkt«, sagte Bredon bedeutend, »ist, ein schönes Spiel zu spielen.« Er hob die Hände und zuckte die Achseln. Sein Gesicht verzog sich zu einem glückseligen Lächeln. "Warum sollte ich etwas anderes als ein schönes Spiel gewinnen wollen?"

Das ist eine Denkweise, die ich über Jahre gelernt habe und die mir bei den Spielen so viel Freude bereitet. Ein Spiel ist mehr als ein Regelsatz (von abstrakten Spielen abgesehen). Es ist ein Kunstwerk, das in mehreren Dimensionen seine Schönheit ausstrahlt. Blickt man allein auf die Kunstwerke, mit denen das Spielmaterial entworfen wurde, die Mechanismen, die in einander greifen oder die Interaktion der Spieler. Beim Spielen kann man sowohl dem Weg einer Optimierung folgen oder der Geschichte nachzuempfinden, die in dieses Spiel geflossen ist. Ein Spiel lernen heißt nicht immer, das beschriebene Ziel mit hoher Effizienz zu erreichen, sondern mit dem Spiel zu spielen.

Bis zum nächsten Spielen,

Gordian