Schon lange habe ich nichts geschrieben und wie man sicher dem Titel entnehmen kann, wird es bei uns bald spannend. Natürlich bekommt man die besten und in der Praxis erprobten Tipps von allen, die schon ein Kind haben (zumindestens ist das die gängige Meinung aller jener, die schon ein Kind haben). Um nicht ganz unvorbereitet in diese neue Lebensphase zu stolpern, haben wir uns trotzdem mit einschlägiger Literatur beschäftigt: „Das glücklichste Baby der Welt“ von Dr. Harvey Karp, „Schlaf gut, mein kleiner Schatz“ von Gary Ezzo und Robert Bucknam sowie „Babypedia“ von Anna Simoens und Anja Pallasch. 

Bei den vorgestellten Büchern muss beachtet werden, dass sie nach Gefühl bewertet wurden, da die praktische Bestätigung der Inhalte zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Artikels nicht eingetreten sind (November 2017).

Babypedia

Worum müssen wir uns kümmern, wenn wir Nachwuchs erwarten? Welche Termine und Formulare muss ich einhalten, damit keine Finanzierungslücken entstehen? Was brauchen wir für das Kind und was sind nützliche Webseiten, Bücher oder Apps, die mich durch die Schwangerschaft und die Babyphase bringen?

Diesen Fragen widmet sich das Buch „Babypedia“ in 13 Kapiteln, die einen Überblick geben über die Themen, mit denen sich werdende Eltern auseinander setzen sollten. Durch diesen breiten Überblick kann nicht tief ins Detail gegangen werden. Allerdings endet jedes Kapitels mit weiteren Leseempfehlungen. Nachdem wir dieses Buch gelesen haben, war es über und über mit Notizzetteln überseht, da neben Checklisten und Übersichten, welche Dokumente, wo und wann eingereicht werden müssen, auch gute Erläuterungen zu den Themen Elternzeit und Elterngeld bietet. Das kommt man schon zu einem Schwachpunkt des Buches: Durch sich ändernde Regulierungen und Gesetze besitzt es in manchen Punkten eine geringer werdende Aussagekraft.  Es wird daher regelmäßig auf den aktuellen Stand gebracht. Darauf sollte man bei einem Kauf achten.

Es gibt keine erziehungs- oder gesundheitsspezifische Hinweise, sonder regt zu Gedanken an, auf die man als Unerfahrener leicht übersehen kann (Wie bekomme ich das Kind von der Klinik nach Hause oder welche Versicherungen und Geldanlagen für das Kind braucht man?). Es bleibt dabei neutral und weist in der Regel auf kostenlose oder günstige Alternativen hin, so dass sich die Investition in das Buch rentiert. Für uns war es mit den vielen Informationen stets ein guter Stichwortgeber und Grundlage einer umfangreichen Vorbereitung auf das Elternwerden. Auf jeden Fall ein Blick wert und ein empfehlenswerter Guide insbesondere durch eine Zeit in der man als attraktive Werbezielgruppe mit Angeboten aller Art konfrontiert wird und diese schwer einzuordnen sind. Es bietet Vergleichsmöglichkeiten und trennt nötig von unnötig.

Das glücklichste Baby der Welt

Zugegeben der Titel ist ein wenig reißerisch. Der Schreibstil entspricht einem typisch amerikanischem Stil: Es werden unglaublich viele persönliche Geschichtchen erzählt und erst nach geschlagenen 144 Seiten wird das dargeboten, weshalb man sich das Buch zu Gemüte führt. Das erklärte Ziel des Buches ist es frischgebackene Eltern vor dem Schreckgespenst der sogenannten Drei-Monatskoliken zu bewahren.  Diese Baby, auch Schreibabys genannt, sind nimmerruhige und brüllende Pakete, die Probleme mit ihrer Verdauung haben. Es gilt die Dreier-Regel: Das Kind schreit

  • mindestens an 3 Tagen pro Woche,
  • über 3 Stunden täglich und
  • dieses Verhalten hält länger als 3 Wochen an.

Keine guten Aussichten, oder? Nachdem als Ursache für das Schreien ein fehlendes Quartal im Mutterleib identifiziert wird, kann daraus eine Lösung abgeleitet werden: Einen Zustand herzustellen, der dem im Mutterleib nahe kommt. Hier kommt die 5-S-Regel zum Einsatz:

  1. Strammes Einwickeln (Pucken) um unkontrollierte Bewegungen zu beschränken, die im Bauch der Mutter
  2. Seiten- oder Bauchlage
  3. Shhh-Laute als Imitation des Mutterleibgeräusche
  4. Schaukeln, wie bei Bewegung in der Gebärmutter
  5. Saugen als Technik zur Selbstberuhigung

Und zwar in dieser Reihenfolge. Nachdem sich die erste Hälfte des Buches mit der Ursachenforschung beschäftigt hat, bietet die zweite Hälfte tatsächlich umsetzbare Tipps, um die 5-S-Regel umzusetzen. Auch an anderen Punkten biete das Buch Handlungsanweisungen, was es darüber hinaus lesenswert macht.

Wirkt es? Wir konnten es noch nicht ausprobieren. Der Verlag scheint vorsichtig zu sein. Das Buch beginnt mit dem kleingedruckten Hinweis: „Die Ratschläge in diesem Buch sind von Autor und Verlag sorgfältig erwogen und geprüft, dennoch kann eine Garantie nicht übernommen werden, und das Lesen des Buches ersetzt nicht den Gang zum Kinderarzt.“ Wir werden es sicher ausprobieren, denn wir wünschen uns und dem Kind eine ruhige und schöne erste gemeinsame Zeit.

Schlaf gut, mein kleiner Schatz

Auch dieses Buch wurde von Kinderärzten erarbeitet und vermittelt eine familiäre Ordnung und einen Essen-Schlaf-Wachrhythmus ab, mit dem das Familienleben gestalten kann und nicht ständig auf die Kindsbedürfnisse reagieren muss. Es geht um das schnelle Durchschlafen und das richtige Füttern.

Die Prämisse des Buches ist, dass eine Familie kein Dienstleister für das Baby ist und eine gesunde Familienordnung darin besteht, dass auch die Eltern und Geschwister Zeit für einander haben sollten. Ist das kleinste Familienmitglied allerdings unzufrieden werden die Ressourcen dafür eingesetzt, die Ruhe wieder herzustellen. Selbst wenn es bedeutet mit dem Auto den Nachwuchs solange um den Block zu fahren, bis die Ruhe wieder hergestellt ist. Der Kunstgriff auf den das Buch hinführt nennt sich Elterngelenktes Füttern (kurz: EGF). Das EGF ist gegensätzlich zum Bedarfsorientieren Füttern, das Babyschreien als Aufforderung zum Füttern interpretiert. Das EGF bedeutet einen Rhythmus von Essens-, Wach- und Schlafphasen, die in einem Zweieinhalb- bis 4-Stunden-Turnus durchgeführt werden. Nach und nach wir die Schlafphase der Nacht ausgedehnt bis ein normaler Nachtschlaf von 8 Stunden erreicht ist. Dazu wird zu einem festen Rhythmus geraten, der allerdings nicht nach der Uhr geht, sondern sich flexibel in den Tagesablauf eingefügt wird. Klingt soweit sehr gut. Der Haken scheint zu sein, dass man als frische Eltern sein Kind ab und an schreien lassen muss. Kinder schreien. Und das in der Regel nicht grundlos. Es geht nun darum zu erkennen, warum sie schreien und danach zu entscheiden, ob eine Intervention notwendig ist. Oft wachen Kinder kurzzeitig auf, schreien aus Unsicherheit und können sich selbst beruhigen. Daher sollte das Kind lernen selbstständig einzuschlafen, anstatt durch ständiges Hochnehmen geweckt zu werden und Selbstberuhigung nicht zu erlernen. Auch das Koppeln von Einschlafen und einer direkten Mahlzeit soll entkoppelt werden.

Doch wer kann sein schreiendes Kind liegen lassen? Fühlt es sich dann nicht vernachlässigt? Die Methode des EGF wird im Internet und auch bei verschiedenen Eltern kontrovers diskutiert und beide Seiten haben überzeugende Argumente. Wir denken, dass es auf jeden Fall ein Versuch wert sein sollte, um die gemeinsame Zeit voll und wach genießen zu können, auch wenn wir sicher in der ersten Zeit bedarfsorientiert Füttern werden bis sich ein guter Weg zu einem stabilen und planbaren Rhythmus bahnt.

Bücher, Blog, und Hinweise

Wir haben in der gesamten Zeit der Schwangerschaft etliche weitere Bücher gelesen, Foren durchforstet und Hinweise von Eltern aller Art erhalten. Um alles zu Berücksichtigen braucht man wahrscheinlich tausende Kinder, den jede hat andere Erfahrungen gemacht und bekannte Probleme anders gelöst. Das macht es auch für uns spannend: Ein Baby ist ein einzigartiges Wesen mit seinem eigene Charakter und Bedürfnissen. Es hilft sich zu sensibilisieren für bestimmte Signale, aber man sollte sicher auf seinen eigenen Bauch hören. Wir sind wahnsinnig gespannt und werden sicher an dieser Stelle weiter berichten, wenn wir unsere eigenen Erfahrungen sammeln durften. Bis dahin, vielen Dank für alle lieb gemeinten Kommentare und Hinweise. Aber wir werden unseren Weg selber lernen müssen.