We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.

Dieser wohlbekannte Satz aus der Declaration of Independence fasst für viele Menschen zusammen, was ihre Recht sind. In den Begriffen Life (Leben) und Liberty (Freiheit) finden die meisten Menschen eine einheitliche Deutung. Nur die Formulierung des Pursuit of Happiness (Bestreben nach Glückseligkeit) bietet eine weite Bandbreite an Deutungen. 

Wer schon den einen oder anderen Artikel gelesen hat, weiß, dass dieses Thema mich beschäftigt und ich versuche einen Zugang zu diesem Bestreben nach Glückseligkeit zu beschreiben. Mit den Büchern diesen Monats habe ich eine neue Sichtweise auf den Komplex des „glücklichen Lebens“ kennen gelernt.

Wilhelm Schmids Hauptwerk ist das 1998 erschienen Werk „Philosophie der Lebenskunst. Eine Grundlegung.“ Darin führt er auf 566 Seiten aus, wie ein „reflektierendes Selbst“ die ihm gegebenen Umstände nutzen kann. Die Bücher, die ich diesen Monat dazu gelesen habe, sind eine Art Destillation seines großen Werkes: „Schönes Leben? Einführung in die Lebenskunst.“ und „Glück. Alles, was Sie darüber wissen müssen, und warum es nicht das Wichtigste im Leben ist.“ Wobei das zweite Buch wiederum als Verknappung des ersten Buches scheint.

Im Buch Glück legt der Autor seine Auffassung von Glück vor, die sich vom Zufallsglück und dem Wohlfühlglück unterscheidet: Er bezeichnet es als das Glück der Fülle. Diese Fülle besteht nicht nur aus einer einseitigen Erfahrung, sondern in der Möglichkeit neben den positiven Erfahrungen konträre Erfahrungen zu machen, die dem Leben einen Kontrast geben, der es für uns erst lebenswert und erfahrbar macht mit unseren Sinnen. Er bezeichnet dieses Leben als ein sinnerfülltes und damit sinnvolles Leben. Die Fülle geht nicht nur in der seelischen Welt auf, sondern biete eine Reizspanne in allem Erlebbaren. Die einseitige Stimulation der positiven Seite bringt, laut Schmid, den Menschen eher dazu sich in Leid zustützen, weil der potenzierende Effekt ansonsten fehlt. Damit wird aber das Leid nicht als Lebenserfahrung erfahren, sondern als Potenzmittel für die erzwungenen ekstatischen Erfahrungen. Somit gibt man die Freiheiten auf, die die Wahrnehmung eines akzeptiertes Lebens mit all seinen Höhen und Tiefen bildet. Abschließend kommt er zu dem Ausblick, dass die Sinnfrage wieder wichtiger wird, da mit dem Ende des kalten Krieges, der Streit um die Sinnfrage nicht gelöst, sondern in Ermangelung einer Systemoption sich erledigt habe. Damit schien der Glücksbegriff, der das 21. Jahrhundert prägt, festgelegt zu sein. Doch bricht darauf ebenfalls die Frage nach dem Anderen auf.

In der Kürze des kleinen Buches (80 Seiten, A6) ist nicht zu erwarten, das Schmid die Frage nach dem Glück endgültig löst. Der Titel ist eher als Lockmittel zu identifizieren, aber die Lektüre macht Appetit auf eine umfangreichere Darlegung seiner Gedanken.

Nach der Vorspeise empfiehlt sich als Sättigungsbeilage das Buch „Schönes Leben“. Es führt in das Hauptwerk ein auch ohne ein Philosoph zu sein (philosophische Tendenzen sollte man allerdings schon aufweisen). Man merkt doch schnell, dass eine abstraktere Sprache genutzt wird und auch nicht direkt in die Begrifflichkeiten gesprungen wird, sondern der Leser wird mit einer Interpretation der Bilder des Malers Edward Hoppers an die Gedankenwelt Schmids herangeführt. Ein gelungener Griff. Mochte man zu Schulzeiten sich nicht mit der Bildinterpretation auseinandersetzen, scheinen diese Kapitel doch spannender als man den Kunstunterricht in Erinnerung hat. Die Grundfrage des Lebens: Warum sollte ich mein Leben gestalten? beantwortet Schmid mit dem finalen Argument: Aufgrund der Kürze des Lebens. Hinzukommen für ihn die Unteraspekte dieser Fragestellung nach Zusammenhängen und die Wahl der Lebensführung. Bewusst oder unterbewusst fühlt sich der Leser mit einer scheinbar schwierigen Frage maximaler Komplexität betraut: Der Sinn und die Rechtfertigung des eigenen Lebens. Doch lässt einen das Buch nicht in dieser Sinnkrise hängen, sondern versucht und an den Anfang einer Überlegung zu bringen, die mit dieser Frage verknüpft ist: Die Sorge um das Selbst und deren Aufhebung. Ist man dem Autor bis hierher gefolgt, stößt man auf die Frage: Was kann ich konkret tun? In den weiteren Kapiteln geht das Buch auf die Ausprägungen der Sorge ein und führt aus, welche Techniken geeignet sind, seine individuelle Antwort auf die Frage zu finden. Damit bleibt der Leser ohne eine abrufbare Antwort der Sinnfrage auf sich allein gestellt. Bildet Schmid in seinem Text nicht die erhoffte Antwort, so stattet er doch den Leser mit einer ungleich interessanteren Fähigkeit aus: Die Selbstmächtigkeit über das eigene Leben. Dabei beruft er sich auf die Überlegungen, die bereits in der Antike von Epikur, Aristoteles und den Stoikern gemacht wurden. Dieser Selbstmächtigkeit folgen die Möglichkeiten das Leben bewusst zu gestalten und die Wahlen, die man hat zu nutzen.

An vielen Punkten denkt man sich, dass die Fragen, die im Buch gestellt werden und die Antworten (oder zumindest die Gedanken dazu) Binsenweisheiten sind. Oder hohle Phrasen, die nicht mit Leben gefüllt sind. Oft kommt es einem vor als ob Schmid, die gesammelten Lebensweisheiten seiner Mutter hier niederschreibt (was wahrscheinlich nicht selten nah an der Wahrheit ist – Mütter wissen alles). Dennoch gewinnt das Buch mehr und mehr den Eindruck, dass die Ordnung und die Abfolge der Gedanken, dem Leser helfen seine Gedanken zu ordnen und sich den konfrontierenden Fragen zu stellen. Damit arbeitet man sich durch Gedankengänge, bei denen man leider zu oft am Anfang steht und sich beim Verfolgenen jener in einem Labyrinth verirrt. Für bestimmte Menschen wird das Ergebnis zu dem das Buch kommt kaum einen Erkenntnisgewinn bringen, andere können einen Anfang eines Sich-in-Frage-Stellens erleben. Und das ist der Anfang einer Selbstmächtigkeit.

Kurzes Fazit:

Das kleine Buch ist eine schöne Schmökerei ohne hohe philosophische Hürden. Es bietet eine Grundlage sich selber zu reflektieren und die eigenen Gedanken zu diesem Thema zu genießen. Das etwas größere Buch vertieft die Gedanken und ist durch die abstrakte Schreibweise eher keine Nachtlektüre, sondern eher ein Buch, dass man genießen muss. Es empfiehlt sich kein Konsum des Buches, um den inhaltlichen Aspektes, sondern um des eigenen Wohles. Auch wenn die Zeit unserer rares Gut ist, sollte man genug mitbringen, um die Früchte des Denkens zu ernten. Ich empfehle das kleine Buch allen, die sich für die Thematik, um der Aktualität wegen, interessieren. Das zweite Buch ist für diejenigen, die Fragen haben und Antworten suchen.

Das Hauptwerk habe ich momentan noch nicht gelesen. Ob es soweit noch kommt, weiß ich noch nicht. Die Freude es zu lesen ist da, aber im Moment nicht die Muße.

Gibt es andere Bücher, die dich angeregt haben zu diesem Themenkomplex dir mehr Gedanken zu machen? Oder wie sehen deine eigenen Erfahrungen zu den beiden Büchern aus? Ich freue mich über deine Kommentare.