Wir wohnen im schönen Rhein-Neckar-Gebiet. Schön ist hier nicht nur die Natur zwischen Odenwald und Pfalz, auch die Arbeitssituation und die kulturelle Vielfalt sind wunderbar ohne in einer Großstadt leben zu müssen. Eines herrscht ein ähnliches Problem, das auch die meisten Großstädten im Griff hat: ein angespannter Wohnungsmarkt…

Die Wohnungs-/Hauspreise sind ins Exorbitante gestiegen und spiegeln mehr den Investmentmarkt wieder als die Notwendigkeit einer Wohnstätte. Insbesondere die Bestandsbebauung ist trotz kaum vorhandener Sanierung für junge Familien unerreichbar teuer, wenn man sich nicht den Rest des Lebens an einen Ort binden will. Leider sind von den steigenden Wohnungspreisen auch die Mieter betroffen (beispielhafte Mietwohnungssuche Heidelberg und Mannheim).

Da ich eine starke Affinität zu moderner Architektur habe, konnte ich mich nicht damit zufrieden geben und habe mich auf die Suche gemacht nach Alternativen:

Tiny Houses

Der Begriff „Tiny House“ kommt ursprünglich aus den USA. Davor gab es einfach keinen Begriff dafür, dass schon seit vielen Jahren z.B. in Japan auf engem Raum kleine, funktionelle Häuser gebaut wurden, um den vorhandenen Platz in den Ballungsgebieten zu nutzen. Es gibt keine offizielle Definition davon, was „Tiny Houses“ sind, so lässt sich aus der wörtlichen Übersetzung des englischen Begriffs („winzige Häuser“) leicht ableiten, dass es sich um die kleinste Form von Wohngebäuden handelt. Was früher eine Notwendigkeit war, weil sich ärmere Familien keine großen Anwesen leisten konnten. Ist heute Ausdruck des Downsizing geworden. Das Loswerden von unnötigem Ballast und damit ein Zurückgewinnen der Freiheiten. Es bedient beide Seiten der Freiheit. Das Freimachen von Objekten und (finanziellen) Verpflichtungen und Freimachen für Naturnähe und Flexibilität.

Die Größe ab wann ein Haus ein Tiny House ist, unterliegt keinen strengen Richtlinien. In der Regel sind Tiny Houses unter 50m² groß. Dabei spielt es natürlich auch eine Rolle, wie die landesspezifische Wohnkultur ist. In den Vereinigten Staaten, wo der durchschnittliche Wohnraum pro Kopf bei ca. 75m² liegen, ist der Deutsche bei etwa 45m² angelangt. Tendenz steigend (mit 0,5m² pro Jahr). Dazu gibt es Studien oder die eigenen Beobachtungen, dass die meisten in der Wohnung gehorteten Objekte kaum in Benutzung sind, sondern in der Regel einen sentimentalen Wert darstellen, ein Prestigeobjekt sind oder man einfach keinen Anlass gefunden hat sich dessen zu entledigen. Es ist wie eine Spirale, die sich weiterdreht. Man vergrößert seinen Platz und findet neue Objekte zum Hineinstellen und merkt dann, dass der Raum zu eng wird. Anstatt sich zu verkleinern, gibt es den Trend sich zu vergrößern.

Aus dem Grund des Einhaltens ist dieser Ansatz eine interessante Angelegenheit für uns. Insbesondere der Aspekt der Reduktion von Energie und der geringe Kostenaufwand üben eine gewisse Anziehung aus. Und tatsächlich gibt es in Deutschland eine wachsende Community, die sich der Tiny Houses annimmt. Bis vor einigen Jahren war es unmöglich bei Stadtplanern und Bauleitungen ein solches Unternehmen vorzustellen, geschweige denn die bürokratischen Hürden zu nehmen. Heute gibt es umfangreiche Webseiten, die sich diesem Thema widmen und auch in ganz Europa Häusle-Bauer.

Was die Mobilität der Tiny Houses angeht, gibt es in Deutschland Probleme mit dem Erstwohnsitz, der nicht mobil sein darf. Auch die maximale Breite der straßenzulässigen Gefährte darf nicht 2,55m überschreiten (außer bewegliche, nachgebende Teile). Rechtlich befindet man sich in einigen Grauzonen (Zu- und Abwasser, Strom. etc.), die mit der jeweiligen Stadt abgeklärt werden müssen, bevor man sein Tiny House errichtet. Wenn ich die Zeit finde, werde ich mal erkunden, wie der rechtliche Rahmen für Tiny Houses in Deutschland aussieht.

Beispiele/Literatur:

New Frontier Tiny Houses

Living Big Tiny House

Tiny House GJ

Tiny House Bauer in Rheinau

Tiny Houses – Hütten – Strandhäuser – Lauben

Kleine Häuser unter 100 Quadratmeter

Winzig – Innovative Häuser im Mini-Format

Nano House – Small Dwellings

Neue winzig kleine Häuser

Modul oder Container Houses

Ein weiteres spannendes Konzept sind die Modul- oder Containerhäuser. Sie erreichen von der Größe her „normale“ Abmaße, sind aber durch ihre Modularität flexibler einzusetzen. So kann man bei Familienzuwachs ein weiteres Modul anschließen oder im Alter die überflüssigen Räume weiterverkaufen. Als Grundmodul werden häufig ausrangierte Schiffscontainer verwendet, da sie in im Voraus planbar sind und der Ausbau in einer wetterunabhängigen Halle o.ä. durchgeführt werden kann. Es erfolgt dann nur noch eine Auslieferung an den Kunden und der Aufbau vor Ort. Es gibt auch Systeme, die nicht auf den Schiffscontainern basieren. Grundsätzlich ermöglicht aber die Serienfertigung mit geringem Personenaufwand eine kostengünstige Fertigung.

Diese Art von Häusern werden in wärmeren Regionen bevorzugt gebaut, da das Problem der Isolierung gegen klimatische Schwankungen die Modularität einschränkt. In den letzten Jahren sind sowohl in Deutschland, Skandinavien und Kanada auch Containerhäuser errichtet wurden, die ganzjährig bewohnt werden können, ohne zu Erfrieren.

Beispiele:

ConHouse

Die Häuser der Zukunft: Nachhaltiges Bauen mit Modulen

Weiter Alternativen

Darüber hinaus gibt es viele Arten, seinen Lebensmittelpunkt zu gestalten. Sei es in Zelten, Campervans oder Baumhäusern. Heutzutage ist fast nicht mehr unmöglich (für Deutschland gilt es natürlich die Behörden zu überzeugen). Um einen kleinen Einblick zu bekommen, habe ich vier interessante und aktive Youtube-Channels verlinkt, die allerdings alle auf englisch sind, da ich keine so spannenden deutschen Ausgaben gefunden habe:

Exploring Alternatives

Kirsten Dirksen

Dylan Magaster

Weitere Bücher mit Inspirationen zum Hausbau:

Ecological Inspirations

Moderne Einfamilienhäuser unter 250.000€

Traumhaft schöne Einfamilienhäuser

 

Für uns wird das weiterhin ein spannendes und aktuelles Thema sein und ich werde verfolgen, was sich in den kommenden Jahren in diesem Bereich tut. Wenn du solche Tiny Houses schon gesehen hast und mir ein Foto oder einen Link in den Kommentaren posten kannst, würde ich mich freuen, aber auch jeder andere Austausch würde für mich interessant sein.