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Szenen aus dem Leben

Mach dein Testament!

Was man gerne in einem anderen Zusammenhang (insbesondere bei Mafia-Filmen) zu hören bekommt, ist eigentlich ein Thema, mit dem sich Menschen in meinem Alter eher weniger auseinandersetzen: Das Testament. Es ist ja noch so viel Zeit und es wird schon nichts passieren…

Nicht nur das Testament wird interessant, wenn es um das Thema Vorsorge geht, sondern auch andere Dokumente. Ich nenne sie die Vorsorge-Vier (VV):

  1. Testament
  2. Vorsorge-Vollmacht
  3. Patientenverfügung
  4. Betreuungsverfügung

Diese Dokumente sichern euch zu, dass eure Vorstellungen und euer Wille so umgesetzt wird, wie ihr ihn euch wünscht. Sie sind wie kostenlose Versicherungen. Wenn nichts passiert, dann hat man sie herumliegen, aber falls etwas passieren sollte, sind die wichtigsten Angelegenheiten geregelt. Zusätzlich geben die VV euren Verwandten (oder wer sich sonst um euch kümmern sollte) eine Leitlinie bzw. Vollmachten, die eurem Willen entsprechen.

Um euch den Einstieg in das Thema etwas zu erleichtern, habe ich aus meinen Erfahrungen ein paar Hilfen für euch:

Das Testament

Das Testament stellt das vielseitigste Dokument dar, denn es kann sich in seinen Grundzügen eurer individuellen Situation anpassen, aber auch sehr spezifisch werden. Je nachdem, was eure Vorstellungen sind. Seid ihr verheiratet, geschieden oder nicht, habt ihr Kinder vor der Heirat, oder Scheidung, sind die Eltern am Leben, gibt es Geschwister, … Ihr merkt, da gibt es viele Optionen. Als Testament gelten aber auch schon bisherige Schriftstücke, die euren Willen vermuten lassen, wie Emails oder Briefe. Daher kann es da zu Rechtsstreitigkeiten oder Verwirrungen kommen. Mit einer Erklärung am Anfang des Testamentes, dass alle anderen „testament-ähnlichen“ Dokumente nichtig sind, kann man einigen Diskussionen und Rätselraten vorbeugen.

Bezieht auf jeden Fall alle im Testament erwähnten Personen in eure Überlegungen mit ein, damit niemand überrascht wird und man persönlich Sachverhalte klären kann, die in das Testament einfließen können (mündliche Vereinbarungen sind eher schwierig irgendwo durchzusetzen).

Einen guten Anhaltspunkt biete die Webseite: smartlaw. Dort gibt es eine gute Übersicht, über verschiedene Situationen und man kann für ein Basisdokument sich dort einige Textpassagen entleihen. Dieses Dokument kann spezifisch angepasst werden und weitere Passagen (wie Güterverteilung etc.) hinzugefügt werden. Natürlich findet man auch Tipps, was den Werterhalt der Erbschaft angeht (was bei uns kaum eine Rolle spielt).

So haben wir unser Testament in der Grundfassung verfasst und werden es von Zeit zu Zeit den Umständen einfach anpassen können. In welchen Turnus wir das Testament ändern werden? Ich denke, dass nach einschneidenden persönlichen Ereignissen (z.B. Geburt eines Kindes, Tod der Eltern oder anderen Verwandten, ) ein guter Zeitpunkt wäre.

Wichtig ist noch zu erwähnen, dass das Testament händisch verfasst sein muss. Mit der Unterschrift, dem Ort und dem Datum erhält es sofortige Gültigkeit (es sei denn, es ist im Testament anders geregelt).

Die Vorsorge-Vollmacht

Diese Vollmacht stellt sicher, dass in einem Notfall eine Vertrauensperson eure Interessen gegenüber dem Arzt vertritt oder eure Angelegenheiten in anderen Belangen regeln darf. So können durch die Vorsorge-Vollmacht folgende Bereich abgedeckt werden: Finanzen, Justiz, Wohnung, Pflege, Gesundheit, Versicherungen und Telekommunikation (Post und Fernmeldeverkehr).

Die bevollmächtigte Person sollte darüber in Kenntnis gesetzt werden, dass sie in eurer Entscheidung eine Verantwortung zu tragen hat. Ihr könnt aber auch weitere Personen benennen, die Einfluss auf verschiedene Bereich haben soll. Damit steht der/die Bevollmächtigte nicht allein da. Im Idealfall kennen sich die Personen und können problemlos miteinander klar kommen. Es ist wichtig, dass die Bevollmächtigten wissen, wo sich die Vollmacht befindet.

Eine gute Vorlage bzw. vollständiges Dokument kann beim Bundesjustizministerium heruntergeladen werden: Vorsorgevollmacht bmjv.de

Für Finanzinstitute reicht diese Vollmacht nicht immer aus und sie verlangen eine extra Kontovollmacht. Diese einem Vertrauen zu erteilen ist, auch ohne dringende Notfälle eine gute Idee, da man sich in manchen Situationen einigen Aufwand ersparen kann.

Die Unterschriften kann man sich bei einer Betreuungsbehörde beglaubigen lassen (gegen Gebühr: ca. 10€). Dort bekommt man auch evtl. weitere Beratung. Gegen eine höhere Gebühr ab 13€ kann man sich (und die Bevollmächtigen) auch in das Vorsorgeregister eintragen lassen.

Die Patientenverfügung

Diese Verfügung ist eine rechtlich verbindliche Erklärung eurerseits und legt euren Willen in Bezug auf die medizinische Behandlung fest. Darin kann geregelt sein, welche Eingriffe oder Maßnahmen erwünscht sind oder gegen welche ihr euch entscheidet. Damit ist eine hohe Individualisierung nach euren Vorstellungen möglich. Sie entlastet euren Bevollmächtigten bei schwierigen Entscheidungen und hilft dabei euer Selbstbestimmungsrecht wahrzunehmen.

Besprecht eure Vorstellungen mit eurer vertrauten Person (wahrscheinlich eure Bevollmächtigte/r), ob er/sie diese Verfügung so durchsetzen kann (moralisch, wie praktisch).

Beschreibt möglichst konkret die Situationen, in denen ihr spezielle Bedürfnisse oder Einstellungen habt (z.B. in Bezug auf Dialyse, Organspende oder künstliche Ernährung). Alles hilft am Ende euch und den Beteiligten ohne Verzögerung und Gewissenskonflikte (oder gar Rechtskonflikte) zu handeln.

Textbausteine und Anregungen findet ihr ebenfalls auf der Seite des Bundesjustizministerium: Patientenverfügung bmjv.de. Diese Textbausteine können erweitert werden, um konkrete Situationen, für die ihr bestimmte Vorstellungen habt. Als Startpunkt sind sie aber ausreichend. Sollte man seine Meinung zu bestimmten Punkten ändern, kann die Patientenverfügung korrigiert werden. Um den aktuellen Stand zu dokumentieren, darf das Datum und der Ort nicht fehlen.

Wichtig ist sich von einer fachkundigen Person oder Organisation beraten zu lassen, um Widersprüchlichkeiten auszuräumen oder nach dem aktuellen Stand der Medizin zufragen, damit man nicht mit falschen Vorstellungen diesem wichtigen Schriftstück begegnet. Es ist wichtig Klarheit zu haben, welche Reichweite die Entscheidung haben kann. Dazu kann als erster Anlaufpunkt der eigene Hausarzt zu Rate gezogen werden.

Die Betreuungsverfügung

Liegt keine Vorsorgevollmacht vor, kann ein Gericht in einer Situation, in der ihr keine Selbstkontrolle mehr habt, einen Betreuer einsetzen. Damit das nicht notwendig wird, kann man im Besitz seiner geistigen Kräfte selber einen bestimmen. Und einen Vertreter. Und andere Personen ausschließen.

Sie ist wie ein doppelter Boden für die Vorsorgevollmacht und für Alleinstehende noch wichtiger als für Ehepaare. Denn ist die Vollmacht nicht vollständig oder die darin benannte Person nicht mehr verfügbar, müsste ein Gericht wiederum einen Betreuer benennen.

In dem Fall einer Betreuungsverfügung beraten die Betreuungsbehörden oder die Rathäuser kostenfrei. Aber auch Kirchen, Wohlfahrtsverbände und honorarpflichtige Anwälte. Ihr könnt auch eine Vorlage beim Bundesjustizministerium herunterladen: Betreuungsverfügung bmjv.de

… zum Schluss

Nehmt euch einen oder zwei Tage Zeit, um diese Dokumente zu erstellen und ein paar Informationen einzuholen. Fragt in eurem Bekannten- und Freundeskreis nach, wer sich mit diesem Thema auseinandergesetzt hat, denn manchmal ist es einfacher mit anderen sich auszutauschen und weitere Details oder Informationen zu bekommen, die einen anders über diverse Punkte nachdenken lassen.

Nehmt euch die Zeit alle Bevollmächtigten und betroffenen Verwandten (mindestens Eltern und Geschwister) auf den aktuellen Stand zu bringen.

Legt die Dokumente an einer auffindbaren Stelle ab…

… und genießt unbeschwert euer Leben!

 

Falls du weitere Fragen hast, einen Rat brauchst oder selber über deine Erfahrungen diskutieren möchtest, kannst du gerne einen Kommentar hinterlassen. Passe bitte auf, da es sich bei hier um ein sehr persönliches Thema handelt, das mit Bedacht im offenen Internet diskutiert werden sollte. Poste also keine persönlichen und/oder vertraulichen Informationen. Vielen Dank.

 

 

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  1. Guten Tag liebe Mitleser,
    vielen Dank für diesen informativen Beitrag. In der Tat ist es wichtig, sich über den eigenen Tod Gedanken zu machen um frühzeitig an das Testament denken sollte, damit die notwendigen Schritte nach dem Tod genaustens geklärt werden. Hierzu kann es sich empfehlen, einen Notar aufzusuchen und sich professionell beraten zu lassen.

    • Gordian

      Hallo,

      vielen Dank für den Hinweis, das manchmal der Gang zum Notar weitere Unsicherheiten bestimmt klären wird. Ich habe mir erlaubt für Leser aus der gesamten Bundesrepublik den Notar-Link zu verallgemeinern.
      Ich habe Ihren Link: recht-leer.de/notariate durch den Link zur Bundesnotarkammer ersetzt. Interessenten aus Norddeutschland können sich natürlich weiterhin auch bei den Notaren in Leer informieren :-).

  2. Hallo zusammen,

    vielen Dank für den interessanten Beitrag. Sollte man ein Testament erstellen wollen, sollte man auf jeden Fall um die Hilfe eines Notariats bitten.

    LG
    Nadine

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