Erster Monat – Erstes Buch: Rettet das Spiel! von Gerald Hüter und Christoph Quarch.

Unter dem Weihnachtsbaum lag dieses Buch und ist so unverhofft zum ersten Buch meines Jahres geworden. Dieses Buch setzt sich mit der aktuellen Entwicklung unserer Gesellschaft auseinander und stellt fest, dass die Grundlagen unserer Entwicklung, das Spiel, mehr und mehr aus unserer Gemeinschaft als Spielende verdrängt werden. Es setzt sich von der Idee des menschlichen Spielens über die Verdrängung des Spiels bis hin zu wieder zu entdeckenden Formen des Spiels mit dem Menschen auseinander. Das Buch – eine spielerische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft.

Ein paar Gedanken meinerseits:

Im Buch wird das Spannungsfeld zwischen dem Homo ludens, dem spielenden Menschen und dem Homo oeconomicus, dem ökonomischen Menschen. Dabei ist der Homo oeconomicus keineswegs ein Egoist, sondern wird durch sein Werte Effizienz, Produktivität, Funktionalität und Profitablität beschrieben. Er setzt also die Freiheiten des Spiels in ökonomische Vorteile um. Bei manchen Spielen sieht man das Verhalten deutlicher als bei anderen. Insbesondere bei Volkssportarten müssen, kann man die Spieler, Halle und Fans kaum von Werbetafeln unterscheiden. Aber auch die E-Sportindustrie läuft sich warm. Da gibt es keine Teams mehr, die um des Spielens Willens antreten kann. Dort ist alles durchökonomisiert. Selbst die Spiele sind nicht mehr frei, sondern gehören den Unternehmen, die machen daher auch die Regeln.

Doch auch bei der frühkindlichen Entwicklung findet man die Ideen des Homo oeconomicus. Unterschiedlichste Anbieter bewerben das ideale Förderspielzeug, mit dem Kinder frühstmöglich ihren Kindergartenabschluss in Sprache, Naturwissenschaften und Ökonomie machen können. Darüber hinaus werden die Spielräume in öffentlichen Räumen zunehmend wegrationalisiert oder auf ein notwendiges Mindestmaß beschränkt.

Doch auch Lichtblicke sind zu entdecken. Dort wo der ökonomische Mensch die Dinge effizienter gemacht hat, sind Beschränkungen gefallen. In Mitteleuropa geht es uns so gut, wie nie zuvor und wir können uns in unterschiedlichsten Wegen entwickeln. Die Möglichkeiten zu Reisen, zu Lernen und kreativ zu sein sind enorm. Diese neuen Räume sind durch den Homo oeconomicus geschaffen wurden, der zusammen mit dem Homo ludens eine Kooperation eingegangen ist: Räume ihrer Selbstwillens zu schaffen mit dem Effizienzdenken und der Produktivität. Jetzt ist es Zeit, dass diese Möglichkeiten genutzt werden, bevor die Ökonomie diesem bunten Treiben wieder ein Ende setzt.

In ihrem Buch setzen sich die Autoren für eine stärkere Prägung der Gesellschaft durch die Ideen des Spielens ein. Ein Erleben und Erweitern nicht nach dem Maß der Funktionalität, sondern geschützte Räume für neue Ideen, neue Wege und wichtige Diskurse. Spielen macht weder vor der Politik noch vor der Wirtschaft halt. Vielmehr kann es den dortigen Strukturen ein Aufleben ermöglichen und die wahren Potenziale freisetzen ohne den Menschen der Profitabilität unterzuordnen.

Selbst wenn das Buch an einigen Stellen sich wiederholt und manchmal zu fantasievoll schwelgt. Es ist ein leicht zu lesendes und dennoch zum Denken anregendes Buch, dass ich weiter empfehlen kann.

In diesem Sinne würde ich das Buch, das ich hier liegen habe an Interessierte gerne weiterverleihen. Dazu müsst ihr mich einfach anschreiben und ich kann euch das Buch schicken.

Ich freue mich über eure Berichte und Anregungen, wie ihr das Spielen und die Entwicklung des Spiels in der Gesellschaft wahrnehmt. Machen euch die Entwicklungen Angst oder wird es bald wieder ein Umdenken einsetzen?

Viele Grüße,

Gordian