Voll Blüten steht der Pfirsichbaum
nicht jede wächst zur Frucht
sie schimmern hell wie Rosenschaum
durch Blau und Wolkenflucht.

Wie Blüten geh’n Gedanken auf
hundert an jedem Tag —

– Hermann Hesse

Diese ersten anderthalb Strophen eines Gedichtes von Hermann  Hesse begleiten mich auf die eine oder andere Weise schon lange. Ich bin voller Neugier für die unterschiedlichsten Dinge. Mein Kopf beinhaltet mehr Ideen, als ich es umsetzen könnte. Es gibt einfach zu viele interessante Themen und Entwicklungen, als dass man sie ungenutzt lassen kann. Daraus ergibt sich ein Problem…

Zustandsbeschreibung

Wenn ich manchmal meinen Schreibtisch so ansehe, dann finde ich an jeder Ecke eine interessante Sache und ich könnte an jedem Blatt Papier, Buch oder Objekt ziehen und könnte mich für weitere Stunden in ein Thema vertiefen, das spannende Inhalte verspricht oder mich mit dem Objekt beschäftigen. Warum habe ich das alles auf meinem Schreibtisch aufgehoben?

Ich nehme an, dass alles dort liegt, um mich in erster Linie daran zu erinnern, dass ich mich damit weitergehend auseinandersetzen wollte. Das Problem, das folgt, ist, dass weitere Objekte, die ebenfalls als vertiefungswürdig kategorisiert wurden darüber gelegt werden und das ursprüngliche Thema verdrängen bzw. zudecken.

Daher liegen auf meinem Schreibtisch neben den Make-Magazinen, ein Stapel Paper zum Thema Happiness, mein aktuelles Buch (zu dem ich später ein paar Zeilen schreiben will), einen Arduino (samt USB-Kabel), ein Projektbuch (das meine Ansprüche nicht voll erfüllt), Malstifte (zur Entspannung), sonstiges Büromaterial, kleine Notizzettel, Kalender, Spiele zum Basteln, Kopfhörer, (seltsamerweise) ein Holzklotz und Kataloge. Kurzum: Dinge, die mich beschäftigen, die aber entweder keinen Platz im Regal bekommen haben oder mich an etwas erinnern sollen. Defacto sind es aber unfertige Ideen oder Projekte, in ihrer schlechtesten Lagerform. Auch ein Review der imaginären ToDo-Liste ist damit schwer zu realisieren. Es muss sich damit aber etwas tun lassen…

Erste Gedanken

Die unterschiedlichen Gedanken sollen in erster Linie geordnet werden. Damit sinkt die Angst, dass ich etwas aus dem Blick verliere. Ich möchte aber nicht, dass das Management nicht meinen Alltag dominiert, sondern zu einer geordneten und übersichtlichen Struktur beiträgt. Davon verspreche ich mir eine Motivationssteigerung und die Möglichkeit mich effizienter mit den Themen zu beschäftigen. Ich werde für dieses Metaprojekt eine Menge lernen (das ist der Fun-Part), aber auch eine hohe Disziplin an den Tag legen müssen.

Für diese Entwicklung einer Metaebene der Gedanken- Handlungsverwaltung benötige ich ein System, das zu mir passt. Passt es nicht zu mir, werde ich es nicht nutzen. So einfach ist das. Daher habe ich mir einen Weg herausgesucht, den ich meinen Umständen nach anpassen kann und der mir die Grundlage einer Entwicklung geben kann:

„Getting Things Done“

Das Arbeits- oder Organisationssystem „GETTING THINGS DONE“ („Dinge erliegt zu bekommen“, Abkürzung: GTD) wurde von David Allen entwickelt und versucht mit wenigen klaren Schritten die Bewältigung von Eindrücken und Gedanken zu verbessern. Es soll ein stressfreies und effizientes Arbeiten ermöglichen.

Die GTD-Grundsätze sind:

  1. Sammle alle Tätigkeiten, die erledigt werden müssen, in einem logischen und vertrauenswürdigen System außerhalb deines Kopfes.
  2. Entscheide diszipliniert über jeglichen Input, den du in dein Leben lässt, damit du immer weißt, was der nächste Schritt ist.

Über die Umsetzung sind im Internet und in der Literatur endlos viele Berichte, Tipps und Einträge zu finden. Von der Philosophie über die Funktionsweise des menschlichen Gehirn bis zu den komplexesten Online-Tools für die Umsetzung sind zu finden. Daher würde ich es dem geneigten Leser überlassen, sich damit selber auseinander zusetzen.

Für meinen Teil werde ich erst einmal versuchen die grundlegenden Strategien und Taktiken umzusetzen. Zum Beispiel finde ich die Ideen eines Referenzsystems gut, damit man einen zentralen Ort hat, an dem Projekte oder Verweise unterbringen kann, um sie schnell wiederzufinden. Zum anderen erscheint mir die Idee, Gedanken und mentale ToDo-Listen auf Papier (oder digital) zu bannen sinnvoll, da ich nicht mehr das Gefühl habe, die Dinge im Kopf durchgehen zu müssen, um sie nicht zu vergessen. Das ermöglicht auch die nächsten Schritte zu definieren oder gar direkt zu erledigen, wenn sie kaum Zeit benötigen. Zum Weiteren sieht das System einen Reviewprozess vor, der die aktuellen und anstehenden Projekte und Aufgaben in den Fokus rückt oder, wenn das Interesse oder die Dringlichkeit nachgelassen haben, als obsolet erklärt. Denn Dinge, die nicht erledigt werden müssen, sind erledigt.

Caveat!

Was bedeutet das es sich mit solchem System auseinanderzusetzen? Es zeigt, dass es den Wunsch gibt, effizienter und stressfreier zu arbeiten. Ich selber würde mich als relativ stressarmer Mensch bezeichnen. Mir geht es hauptsächlich darum effizienter und effektiver meine Gedanken zu ordnen und sich dabei nicht schlecht zu fühlen.  Welche Folgen kann das Angewöhnen eines solchen Handelns haben:

  • Besteht die Gefahr durch eine permanent laufende ToDo-Liste gestresster zu werden?
  • Wird alles in meinem Leben zu einem Projekt?
  • Wird es mein ICH beeinflussen? Schränkt man seinen Blick zu sehr ein auf zu erledigende Dinge?
  • Inwiefern wird das Leistungsdenken durch GTD verstärkt? Fühlt man sich schlecht, wenn man trotz gut gefüllter ToDo-Liste etwas prokrastiniert?

Ich möchte etwas lernen, bei dem ich mich gut und frei fühle. Das oben erwähnte Gedicht von Hermann Hesse hat noch anderthalb weiter Strophen, die wie zu dem Gedicht zu meinem Programm gehören:

lass‘ blühen, lass‘ dem Ding den Lauf

frag‘ nicht nach dem Ertrag!

Es muss auch Spiel und Unschuld sein
und Blütenüberfluss
sonst wär‘ die Welt uns viel zu klein
und Leben kein Genuss.