Die Freude am Kleinen ist die schwerste, denn es gehört ein großes Herz dazu. – deutsch Sprichwort

Endlich habe ich gewonnen. Zum ersten Mal eines dieser Gewinnspiele, die mit so vielen Preisen winken. Die Bahn hatte ein EM-Gewinnspiel aufgesetzt für ihre BahnCard-Kunden. Was habe ich gewonnen?

Ich habe einen Fußball gewonnen (klar bei einem Gewinnspiel mit dem Thema EM). Das Witzige an der Sache ist allerdings, dass ich mir vor wenigen Wochen meinen Bänder am Fuß angerissen habe und deshalb der Ball ruhen muss. Wie geht man damit um?

  1. Zetern, dass man mit diesem Gewinn nichts anfangen kann und dass es natürlich zur falschen Zeit kommt.
  2. Es war klar, dass ich irgendwann irgendetwas gewinnen werden, darum muss ich nicht jetzt emotional werden.
  3. Freude über den unverhofften Zustand, dass ich mich darauf freue, dass ich in einigen Wochen mal mit einem guten Ball kicken gehen kann (auch wenn sich meine Fähigkeiten in Grenzen halten).

Ich persönlich bevorzuge Option 3. Aber das kann von Person zu Person unterschiedlich sein. Es liegt an dem Charakter der jeder Person eigen ist und sollte deshalb nicht als undankbar empfunden werden. Was die positiven Empfindungen angeht, also das Glück (Happiness), ist der Weg 3 wahrscheinlich der beste, wenn manchmal auch der schwierigste. Warum sollte ich dankbar sein, wenn es scheinbar keinen Grund dafür gibt?

Zahlreiche Studien belegen den Zusammenhang zwischen Dankbarkeit und Glück. Psychologen sehen auch einen direkten Zusammenhang mit unseren Beziehungen und dem sozialen Handeln gegenüber Mitmenschen. Der Benediktinermönsch und Psychologe David Steindl-Rast meint: „Dankbarkeit ist kein Gefühl. Dankbarkeit ist eine Haltung.“ Und darin liegt sowohl die gute, wie auch die schlechte Nachricht. Dankbarkeit ist uns nicht in die Wiege gelegt, man kann aber den Umgang damit erlernen. Und somit zu einem großen Teil für (nicht nur die eigene) Lebensfreude sorgen.


Fünf einfache Dankbarkeitsübungen
Für die Schönheit des Lebens

Die vielen kleinen Dinge des Lebens, die Freude bereiten und die den Menschen geschenkt werden. Sei es die Sonne auf der Haut, das Vogelgezwitscher, die zusammengelegte Wäsche, das Lächeln eines Fremden. Nimm sie dankbar an. Starte mit offenen Augen und Ohren in deinen Tag. Die Welt um dich ist schön und erwartet entdeckt zu werden. Selbst kleine Entdeckungen von angenommenen alltäglichen Dingen bereiten dich auf Dankbarkeit vor.

Weil es dir so gut geht

Überlege dir, worauf du dich freust und fühle, wie ein Gefühl der Vorfreude und Dankbarkeit sich über deine Sinne legt. Sogar in trüben Stunden kann ein kleiner Lichtblick gefunden werden. Ist es das warme Fußbad nach dem Schneeschaufeln, ist es das kühle Pils, nach einem anstrengenden Arbeitstag oder das fürsorgliche Gespräch mit Freunden nach sozialem Stress. Erkenne es als wichtig an, dass du dir diese angenehmen Dinge gefallen lassen darfst. Man sollte sich nicht die kleinen Dankbarkeitshäfen verwehren.

Das Glück als Wegbegleiter

Führe dir vor Augen, wie viel Glück du in deinem Leben schon erfahren durftest. Wie oft haben sich die Dinge zum Guten gewendet, selbst wenn du gezweifelt hast. Denke an Ereignisse, bei denen dir Freunde geholfen haben oder eine Intuition dir den richtigen Weg gewiesen hat. Oder man einfach nur Glück hatte. Und man wir erkennen, dass das Glück ein doch recht treuer Begleiter ist.

Kontrapunkt zum Ärgern

„Nicht andere ärgern einen, sondern man ärgert sich.“ So unangenehm wie dieses Sprichwort auch in einer besagten Situation zu sein scheint, umso wahrer stellt es sich oft heraus. Viele dieser Situationen hat man sich nicht ausgesucht. Doch hälfe(?) es seine Energie zu rauben mit eine Schimpftirade über unser Gegenüber oder uns selbst? Nutze die Zeit und Energie der Situation eine neue Gewichtung zu verleihen. Sei es eine Lehre zu ziehen, neue Fähigkeiten zu erlernen oder gar die Hilfe einer Person anzunehmen.

Die Routine der kleinen Dankbarkeiten

Anfangs freuen wir uns über neue Dinge. Entweder das neue Fahrrad mit dem das Fahren wieder einfacher wird. Der Geschirrspüler, der uns mehr Freizeit gibt oder das Projekt, dass wir unbedingt mal anfangen wollten. Doch nach einiger Zeit nehmen wir diese Dinge als normal hin und manchmal nerven sie auch („Muss ich schon wieder den Geschirrspüler ausräumen und warum hat das Rad wieder einen Platten.“). Denk mal daran, wie es ohne die kleinen Routinees in deinem Leben aussieht. Genieße die Entschleunigung oder denk im Alltag daran, um was du dankbar sein kannst, dass es meist seine Aufgaben in Ruhe verrichtet. Da kommt schon eine Menge Dankbarkeit zusammen :-).


Wichtig ist an diesem Punkt zu erwähnen, dass es nicht darum geht mit einer einstudierten Dankbarkeit über Trennungen, Ängste, Trauer oder schwere Krankheiten hinweg zu kommen. Diese Gefühle haben ihren berechtigten Platz und stellen ein wichtiges Gegengewicht unserer Psyche dar. Aber es geht darum, besonders in diesen Situationen zu erkennen, dass die aus Dankbarkeit Hoffnung und Perspektiven erwachsen. Sich einer gefühlten Hoffnungslosigkeit hinzugeben, kann zu schweren Depressionen führen. Nimm die die Freunde, die dir zu Seite stehen wollen; Nichts vertieft eine Beziehung, als Hilfe annehmen zu können und Leid zu teilen. Trennungen können dir Zeit geben, Neues zu entdecken und sich woanders zu investieren. Geldmangel kann zu ungeahnter Kreativität und Entdeckerdrang in der eigenen Freizeit führen. Große Aufgaben lassen einen wachsen und sich seiner eigenen Stärken gewahr werden.

Ich freue mich auf die sonnigen Tage, an denen ich endlich wieder mich uneingeschränkt bewegen kann. Meinen Fußball aus der Schublade zu holen und anfange wie Pelé zu tanzen.

Worauf freust du dich momentan? Was sind deine kleinen Glücksmomente?