Jeder ist seines Glückes Schmied – Appius Claudius

Wenn der Schmied aus seinem Eisen etwas formen möchte, muss er drei Dinge beachten, um zu einem guten Ergebnis zu gelangen.

  1. Er muss sein Material kennen.
  2. Er muss sein Handwerk beherrschen.
  3. Er muss wissen, auf welches Ziel er hinarbeitet.

Das Gleich gilt für die Meisten Handwerksberufe. In unserer Kolumne können wir den z.B. den Koch nehmen. Auch er muss sich auf diese drei Fähigkeiten berufen, wenn er Erfolge erzielen will.
Dabei ist der Mensch sowohl Koch als auch das zu bearbeitende Material. Als Rezepte werden wir die Möglichkeiten, Hinweise und Ideen bezeichnen, denen wir auf dem Weg begegnen. Sie sind die Kunst des Handwerks, dass wir beherrschen lernen wollen. und zu guter Letzt ist es doch die Suche nach einem glücklichen Leben, das uns antreibt.
Beginnen wir mit dem Letzteren:

Das Glück

Ein weiteres Sprichwort besagt, dass das Glück nicht alleine kommt. Das stimmt in besonders in Hinsicht auf eine Beschreibung desselben. Eintausend Menschen können uns eintausend Antworten geben, was sie als Glück empfinden. Dem einen ist das Glück das Zusammensein mit geliebten Menschen, dem anderen wiederum bedeutet Glück ein ökonomischer Erfolg. Viele werden sagen, das Glück anhaltender Natur ist, während es andere als vergängliches Gut empfinden. Und so spiegelt sich in unserer Wahrnehmung auch unser Charakter wider.

Als gröbsten Nenner möchte ich mich auf die Glücksforschung berufen:

Glück ist ein Hochgefühl, das vom Wunsch nach Fortdauer gekennzeichnet ist, solange es andauert und vom Wunsch nach Wiederkehr. Seine ekstatischen Momente heben diesen Gemütszustand über die Genugtuung oder die Zufriedenheit hinaus. – wikipedia.de

In der Philosophie war das Glück manchmal der eigene Willen zum Guten Leben (Aristoteles), die Abwesenheit von Schmerzen (Epikur) oder der Einfluss von externen Kräften (Seneca). Die neueren Philosophen schließen sich diesen grundsätzlichen Denkrichtungen an und erweitern sie um neue Gedanken. Die wohl bekannteste Beschreibung was Glück bedeutet, ist geprägt durch den Utilitarusmus (Nützlichkeitsprinzip) der Neuen Welt: Vergrößere die Zufriedenheit und verringere das Leiden (maximize happiness & minimize suffering). Diese Herangehensweise von Stuart Mill bringt keine besser zu fassende Definition mit, auch hier bleibt der Glücksbegriff vage. Von der Philosophie her können wir uns keine genauen Beschreibungen holen. Dennoch möchte ich für mich aus der philosophischen Ecke beibehalten, dass Glück etwas Positives ist. Es bringt für alle am Glück beteiligten einen Zufriedenheitsbonus. Ich selber halte die Aussage, dass Glück durch Abwesenheit negativer Empfindungen charakterisiert werden kann, nicht als ausreichend.

Aus ökonomischer Sicht hat die westliche Kultur den Glücksbegriff instrumentalisiert, um den (monetären) Ausgleich einer künstlich geschaffenen Defizitvorstellung zu beschreiben. Man gehört zu den „Glücklichen“, wenn man aufgrund seines Verdienstes das Defizit ausgleichen kann. Ökonomisch kann IMHO nur gesprochen werden, wenn der Zwang von der tatsächlichen Arbeit entkoppelt wird und das Arbeiten als Selbstzweck ausgeübt werden kann, nachdem die Grundbedürfnisse gedeckt sind.

Im Bereich der Sozialwissenschaften hat der Glücksbegriff ebenfalls Einzug gehalten. Es werden das Lebensniveau oder die Allgemeinzufriedenheit einer (Bevölkerungs-) Gruppe betrachtet um festzustellen, welche Bedingungen zu einem glücklicheren Leben führen. Es geht also eher um eine Messung des Glücks. Mit diesen Messungen können politische Entscheidungen gerechtfertigt werden oder ethnologische Zusammenhänge hergestellt werden. Dem entgegen möchte ich das Glück als ein individuengebundende Empfindung beschreiben, dass natürlich durch soziologische Faktoren beeinflusst wird, aber auch diese beeinflusst. Was uns zum Henne-oder-Ei-Problem führt.

Die beiden für mich interessantesten Felder der Glücksforschung und der Ausprägung meines Glücksbegriffes sind die Glückspsychologie (auch positive Psychologie) und das persönliche Glücksempfinden. Die Glückspsychologie fragt nach Glück mit drei Begriffen: das wohltuende Leben, das gute Leben und das bedeutungsvolle Leben. Das wohltuende Leben nimmt sich der Grundbedürfnisse an, um sich einem Leben zu widmen, dass als Basis für soziale Bedürfnisse und Selbstkonzepte  steht. Das gute Leben wird erfüllt durch Selbstwirksamkeit, Wahrnehmung (des Moments) und persönliches Wirken und Entwicklung von Fähigkeiten und Eigenschaften. Das bedeutungsvolle Leben führt das Leben zu moralischer Zufriedenheit und dem Willen „Gutes“ zu tun (was das dann auch immer sein kann). Aber auch Hoffnung und Optimismus finden sich in diesem Bereich wieder.

Wie man sehen kann, ist es äußerst schwierig, wenn man sich dem Begriff des Glückes nähern möchte, um keiner Wissenschaft Unrecht zu tun und dennoch sich ohne zu verzetteln einen Diskussionsgegenstand zu schaffen, der auch von Laien besprochen, mit eigenen Erfahrungen verknüpft und geformt werden kann. Eine elegante und schöne Version von der Definition von Glück findet sich in der Doktorarbeit des niederländischen Professors Ruut Veenhoven:

 The degree to which an individual judges the overall quality of his life-as-a-whole favorably

(der Grad zu dem eine Individum seine allgemeine Lebensqualität als positiv einschätzt) oder noch kürzer:

Deine eigene Haltung zu deinem Leben.

Was bedeutet Glück für dich? Hast du dir darüber schon einmal Gedanken gemacht? Gibt es eine Beschreibung von Glück, die du teilst?
Ich freue mich über Kommentare und deine Meinung und Gedanken zu diesem Thema, egal ob kurz oder lang.