Ursprünglich als Männerwandern geplant, fühlten sich diesmal auch einige Frauen, von den Photos des letzten Männerwanderns angelockt und haben sich mit uns auf Tour begeben. Auch dieses Jahr hieß das Ziel wieder einmal Schottland. Während wir beim letzten Mal im Westen Schottlands gewandert sind, verschlug es uns diesmal in den Osten: Auf den Speyside Weg.

Der Speyside Way läuft entlang der Spey. Unsere Route ist rot eingezeichnet: Von Aviemore an die Küste nach Buckie

Der Speyside Way läuft entlang der Spey. Unsere Route ist rot eingezeichnet: Von Aviemore an die Küste nach Buckie

Der Speyside Weg ist einer der vier großen Schottischen Wanderwege (das letzte Mal waren wir auf dem Westhighland Way, einem anderen der vier großen unterwegs). Die Hauptstrecke geht von Aviemore nach Buckie auf ca. 115 km. Um uns das ganze etwas zu vereinfachen, entschieden wir uns mit dem Fluss von Aviemore nach Buckie zu wandern (was sich als gut herausgestellt hat).

Unsere Wandergruppe bestand aus zwei Schlufreunden, meinem Schwager und dessen Freundin, einem Studienfreund sowie meiner Frau und mir. Wir sind nicht alle superfit, aber glücklicherweise verlangt einem der Speyside Weg nicht zu viel ab.

Für die gesamte Strecke hatten wir uns ein Ziel von 7 Tagen gesetzt, was normalerweise mehr als ausreichend ist, aber im Hinblick auf die weibliche Begleitung haben wir ein ruhigeres Wandern eingeplant.

Wer lieber ein paar wenige Bilder als Eindrücke haben möchte, kann sich in der Galerie diese holen.

Anreise

Die Anreise nach Aviemore war einfach. Mit dem Flugzeug nach Edinburgh und mit dem Zug weiter nach Aviemore. Dort haben wir am Nachmittag unsere Mitwanderer getroffen und in einem kleinen, aber schönen Inn übernachtet (Old Bridge Inn, sehr empfehlenswert). Leider konnte Kristins Rucksack von British Airways nicht nach Aviemore weitergeleitet werden. Also mussten wir weitere 24 Stunden dort warten, bis wir letztendlich starten konnten.

1. Abschnitt: Aviemore – Boat of Garten
Das wohlverdiente Abendessen. Nach einem Wandertag schmecken selbst einfachste Nudeln wunderbar

Das wohlverdiente Abendessen. Nach einem Wandertag schmecken selbst einfachste Nudeln wunderbar.

Nachdem wir den halben Tag auf das Gepäck gewartet haben, konnten wir endlich starten. Um am ersten Tag nicht schon Blasen zu bekommen, haben wir uns für eine kurze Einstiegsstrecke entschieden (10km). Der Weg geht aus der Stadt hinaus und führte über blühende Heidefelder und Birkenwäldchen mit wunderbarem Ausblick auf die Berge des Cairngorms  Nationalparks. Dort gab es unsere erste Mahlzeit aus der Campingküche. Ein schöner Zeltplatz, der zwar nicht am Weg liegt, aber durch einen Erste-Reihe-Platz für einen schönen Sonnenuntergang sorgt.

2. Abschnitt: Boat of Garten – Grantown on Spey
Unsere treuen Begleiter. Im nächsten Leben werde ich Rucksack (sich herumtragen lassen und immer dabei sein)

Unsere treuen Begleiter. Im nächsten Leben werde ich Rucksack (sich herumtragen lassen und immer dabei sein)

Eine Sache, die mir beim Wandern gerne abgenommen werden kann, ist das tägliche Zelt auf- und abbauen. Es wäre viel zeitsparender, wenn das alles erledigt wäre. Zudem wir es immer ungemütlicher, je tiefer die Temperaturen sinken oder wenn es regnet. Glücklicherweise hatten wir weder das eine noch das andere, sondern einen sonnigen Morgen. Nach einem stärkendem Käseschnittenfrühstück wurden die sieben Sachen zusammengepackt und losgewandert.

Dieser Abschnitt führt ein bisschen entlang einer wenig befahrenen Straße und biegt in ein Schutzgebiet für Fischadler (Osprey) ein. Leider haben wir keines dieser Tiere zu Gesicht bekommen. Nachdem der Weg durch einen Nadelwald lief (hier haben wir uns zum ersten und einzigen Mal verlaufen), kommt man nach Nethy Bridge, einem dieser kleinen typisch schottischen Orte. Bestehend aus einem kleinen Laden, einigen Ferienwohnungen und einem Besucherzentrum (schick und interessant gemacht, außerdem saubere To

iletten!), konnten wir eine ausgedehnte Mittagspause einlegen und einige Vorräte auffüllen.

Der zweite Tagesabschnitt führte uns über offeneres Gelände, vorbei an Farmen und lichten Wäldern. Keine spektakulären Aussichten, aber Zeit um sich ins Gespräch zu vertiefen. Am Abend kamen wir erschöpft in Grantown on Spey an und hatten Glück noch einen Zeltplatz zu bekommen, da ab der nächsten Nacht alles für die örtlichen Highland Games (Baumstämme werfen, Dudelsackmusik, Schottenröcke, …) ausgebucht war.

Was auf den Zeltplätzen interessant war, dass die meisten anderen Zelt-Camper ebenfalls Deutsche sind. Man sollte sich also nicht zu laut über seine Käsefüße unterhalten…

3. ABSCHNITT: GRANTOWN ON SPEY – Blacksboat

Für den dritten Wandertag wird normalerweise die Strecke von Grantwon bis Ballindalloch vorgeschlagen. Da wir allerdings um einen ganzen Wandertag hinter dem Zeitplan hinterherhingen war unser gestecktes Ziel Blacksboat. Das stellte sich jedoch nicht so einfach heraus…

Am Morgen guter Dinge gestartet und entlang der Spey über weite Felder und Wiesen gewandert, kommt von den Bergen schließlich in eine Hügellandschaft. Dort kamen wir an der kleinen Ortschaft Cromdale vorbei, die die alte Bahnstation zu einem schönen Cafe umgebaut haben. Leider hatten wir keine Zeit diesen Ort zu genießen…

Der Speyside Weg läuft entlang einer alten Bahnstrecke. Die alten Stationen wurden teilweise wieder hergerichtet und dienen nun als Cafe, Hostel oder Wohnhaus

Der Speyside Weg läuft entlang einer alten Bahnstrecke. Die alten Stationen wurden teilweise wieder hergerichtet und dienen nun als Cafe, Hostel oder Wohnhaus

Und ab dann wurden die Schritte langsamer und langsamer. An der nächsten Straße entschlossen wir uns es doch einmal mit dem Trampen auszuprobieren. Da niemand von uns Erfahrung mit demselben gemacht hatte, mussten wir ausprobieren.

Zuerst (in guter Hoffnung) haben wir uns alle mit dem Daumen raus an die Straße gestellt. Wir hätten uns denken können, dass niemand zufällig Platz für 6 Personen hat. Dann in kleineren gemischten Gruppen… auch ohne Erfolg. Dann nur die Damen und nur ein Herr. Klappte alles nicht. Erst als wir verzweifelt aufgegeben hatte, hielt doch jemand. Leider nur für 3 von uns. Naja, aufteilen oder nicht?

Schließlich sind die Damen in Begleitung vorgefahren. Für uns Verbleibende war hielt relativ schnell ein weiteres Auto. Drei junge Männer, die nach einem Angelurlaub wieder zurück in die Stadt waren. Auf der Autofahrt noch eine kleine Lehrstunde über Whisky bekommen. Erfahrungen mit dem Trampen: Menschen, die einen mitnehmen sind meist selber interessiert, wenn sie sich dort einladen. Gutes Gespräch, gute Tipps. Gerne wieder.

Am Treffpunkt nach der Trampaktion warteten die Anderen ( die hatten inzwischen sogar schon eine Teeeinladung erhalten) ging es am Fluss entlang nach Blacksboat. Eine kleine Pause gönnten wir uns noch, da die Sonne noch hoch stand und wir einen Abstecher an den Fluss machen konnten, um unsere wunden Füße im kühlen nach zu erfrischen.

Blacksboat-Campingplatz besteht aus einer Rasenfläche mit der Größe einer Tischtennisplatte und nur mit fortgeschrittenen Tetriskünsten konnten wir dort drei Zelte aufstellen. Ansonsten wird diese Station nicht mehr bewirtschaftet. Außer zwei Kaltwasserhähnen und einem Tisch gibt es dort nichts.

4. ABSCHNITT:  BLACKSBOAT – Aberlour

Mit Abstand der anstrengendste Tag mit der längsten Wanderung und dem schlimmsten Wetter. Schon am Morgen vom Regen geweckt zu werden, hebt nicht die Stimmung. Frühstück und Zeltepacken unter der nächsten Brücke…

Und dann den ganzen Tag entlang der alten Bahnstrecke durch den Matsch. Allerdings beginnt hinter Blacksboat sich die Whiskylandschaft der Spey zu entfalten. So kommt man an einigen Distillerien vorbei, die leider nicht für Besucher geöffnet haben ( wäre bei dem Wetter nur zu schön gewesen). Für die Mittagspause hatten wir uns ein nettes Gelände einer neuen Distille ausgesucht und statt uns vom Grundstück zu verweisen, wurden wir eingeladen und die Distille (Baujahr 2014) anzusehen und deren Toiletten zu benutzen (wer selber länger wandern war, weiß, dass Toiletten ein rares Gut sind). Der Whisky dieser Distille wird erst in 3-4 Jahren (2018) zum Verkauf stehen. Das bedeutet, dass bevor überhaupt erst das erste Fass des jüngsten Whiskys geöffnet werden kann, eine Investition von 25 Millionen Euro gemacht werden muss.

Der Rest der Wanderung wurde aber wieder schlimmer. Nachdem wir Aberlour erreicht hatten und eine kleine Stärkung zu uns genommen haben im berühmten Mash Tun, wollten wir den Zeltplatz in Craigellachie (Es hat unendlich viele Anläufe gebraucht diesen Namen richtig auszusprechen – Kräg_ä_llachi) erreichen. Der Zeltplatz besteht aus einer Wiese am Wegrand und einer mittelmäßig sauberen Toilette – Na Danke! Also beschlossen wir die 2km zurück zum nächsten bewohnbaren Zeltplatz zu laufen. Dieser war um so besser, da wir hier einen Raum zum Waschen und sogar einen Wäschetrockener hatten (Warme Socken sind sooo gut 🙂 ).

Das Mash Tun ist ein gemütlicher Pub mit vielen Whiskys und ein Highlight der Speyside Route

Das Mash Tun ist ein gemütlicher Pub mit vielen Whiskys und ein Highlight der Speyside Route

Am Abend haben wir uns die Zeit genommen die berühmten Whiskys der Speyside zu verkosten – natürlich im Mash Tun, ein kleiner Pub, der nicht nur alle Whiskys der Speyside führt, sondern vom örtlichen Aberlour-Whisky alle Jahrgänge bis 1955 anbietet (das sind dann 200-300 Pfund (300-500€) pro 4cl).  Wir nahmen Vorlieb mit den Whiskys deren Distillen wir auf dem Weg angetroffen haben. Günstige und weise Entscheidung. Aber auch das Essen war ausgezeichnet. Ein Stop ist das Mash Tun auf jeden Fall wert.

5. ABSCHNITT:  ABERLOUR – Fochabers

Schummeltag: Bis auf zwei unsern Wandergefährten haben wir heute ein Taxi benutzt, um unsere Füße für den letzten Tag zu schonen.

In Fochabers haben wir einen Award Winning Fish and Chips besucht. Sehr lohnenswert, nicht nur um die Esskultur kennen zu lernen.

6. Abschnitt: Fochabers – Speybay

Dadurch, dass wir am letzten Tag uns geschont hatten, war das heutige Tagesziel, die Speybay zu erreichen, fast zu einfach. Man folgt dem Flusslauf einfach einige Kilometer und schon erstreckt sich vor einem das Delta der Spey (ein kleiner Abstecher zum Garmouth Viaduct lohnt sich). Es ist einfach schön, wenn man endlich das Meer (genauer den Moray Firth) erblickt. Direkt an der Ankunftsstelle liegt ein Delfin- und Walkonservatorium. Von der Küste aus konnten wir die Delfine sehen. Neben vielen Seevögeln und Robben, sollen sogar die Wale von der Küste aus sichtbar sein. Auch ein interessantes Eishaus (damals gab es keine Tiefkühler) und ein gemütliches Cafe runden die Station ab.

Einen Kilometer weiter konnten wir die Nacht auf einem Golfplatz verbringen, der uns Zugang zu Duschen, Toiletten und einem trockenen Unterstand ermöglichte.  Als wir in die Zelte kriechen wollten, für eine letzte Nacht, konnten wir am Himmels ein schwachen Nordlicht als Abschiedsgruß der Spey bewundern.

7. ABSCHNITT: SPEYBAY – Buckie

Obwohl dieser Abschnitt offiziell zum Speyside Weg gehört, kommt er einem eher wie der Appendix vor. Der Weg führt entweder zwischen Golfplatz und Müllhalde oder durch einige Ansiedlungen. Wenn man im Internet querliest, wird dieser Teil des Weges von den meisten als unnötig empfunden.

Letztendlich kommt man in Buckie an die Steine, die den Ende des Trails darstellen. Doch auf die Freude den Weg geschafft zu haben, folgt Irritation. Die Steine beschließen einen Weg namens „The Fishwives Route“.

Erst wenige hundert Meter weiter findet man schlussendlich die richtigen Steine…

Das Ende des Speyside Weg. Geschafft (mit Schummeln)!

Das Ende und ein kleines Fazit

Von Buckie fährt regelmäßig ein Bus in die nächste größere Stadt Aberdeen, von dort kann man einen Flug nach Deutschland bekommen. Nach einer Woche in der Natur fühlt man sich plötzlich zwischen den vielen Häusern etwas eingeengt und es entwickelt sich eine kleine Sehnsucht nach der Ruhe…

Obwohl ich den Speyside Weg landschaftlich weniger spektakulär empfunden habe, als den West Highland Weg, sorgt die seichte Abwechslung und der begleitende Fluss für eine gewisse Ruhe und Entspannung. Die Ankunft an der Speybay ist einer der schönsten Momente. Es wäre entwas ruhiger geworden, wäre Kristins Gepäck pünktlich angekommen, so konnten wir aber erste Erfahrungen mit dem Trampen sammeln. Aber auch zwischendurch findet trifft man auf Orte und Details, die man sicher aus dem Auto heraus übersehen hätte. Ich kann mir vorstellen wieder die Spey aufzusuchen, allerdings würden mich die Cairngorms oder die Distillen mehr interessieren.

Viele Grüße, eure Kabelitzens


Danke, dass du dir Zeit genommen hast, bis hierher zu lesen. Ich hoffe, dass ich Dir einen kleinen Einblick oder eine Idee geben konnte, wie der Speyside Weg für uns war. Solltest du Fragen haben oder genauere Details wissen wollen, dann kannst du entweder über den Kontakt oder die Kommentarfunktionen eine Nachricht hinterlassen.